Wenn ich den See seh´…

… brauch ich kein Meer mehr oder als die FJ keine Lust mehr hatte

Seit 17 Jahren zum ersten mal ohne Kinder brachen wir, Marita und André, mit altbekannter FJ 1200 und “neuer” Transalp 650 auf an den Bodensee. Da insgesamt nur 10 Tage zur Verfügung standen beschlossen wir, die An- und Abreise jeweils an einem Tag auf der Autobahn hinter uns zu bringen. Laut Croco-Navi „nur“ 630 km, sollte ja zu schaffen sein. Das sah die alte FJ da schon etwas skeptischer und genehmigte sich auf der Hinfahrt mal locker 0,7 Liter Öl für die 630 km. Einen Liter hatte ich vorsichtshalber für den ganzen Urlaub mitgenommen… Leider hat Petrus weder bei An- noch bei Abreise mitgespielt und wir sind beide Autobahntage im Regen gefahren.

Einquartiert haben wir uns im Hotel Krone in Kressbronn (zwischen Friedrichshafen und Lindau). Hier konnten unsere Moppeds im Hof stehen und zeitweise konnten wir auch den Carport nutzen. Das Zimmer war o.k. (wenn man auf 70er Style steht) und es gab auch einen Pool, nur leider selten das passende Wetter dazu.

Der erste Tag begann, wie sollte es anders sein, mit Regen. Da unsere Regenkombis noch nass vom Regen und die Motorradklamotten noch nass vom Schweiß waren, haben wir uns mit dem Zug auf nach Lindau gemacht. Hin- und Rückfahrt pro Person für 4,20 €. Kann man nicht meckern. Absolut lohnend: die abendliche Stadtführung in Lindau. Ähnlich wie in Görlitz bei der Tour in die sächsische Schweiz fühlten wir uns auch hier ins Mittelalter zurückversetzt. Liebevoll restaurierte Häuser mit den passenden Geschichten und Erklärungen. Diesmal nicht vom Reverend, sondern von einer sehr netten Eingeborenen. Weitere Infos aus den Bildern und hier (klicken).

Am nächsten Tag machten wir uns mit den Moppeds auf ins Appenzeller Land. Wir wollten zum Säntis, den wir mittels Seilbahn schon 2001 mit den Kindern erklommen hatten. Das Wetter spielte mit, herrlicher Sonnenschein und auf der Seeuferstraße die üblichen (gefühlten) 10 km Stau bis man hinter Bregenz in die Schweiz abbiegt. Kaum auf  Schweizer Boden, streikt die FJ. Kurz hinter der Grenze halten wir an einem Bahnübergang und stellen die Motoren ab, bis der Zug vorüber ist. Zug vorbei, Schlüssel rumgedreht und die Transalp startet auf den ersten Knopfdruck, im Gegensatz zur FJ. Ein leises bsssssss, sonst nichts. Also die Fuhre angeschoben. War wohl zu viel, erst nur Stop and go, und das Navi über 12 V – Dose am Strom.

Dann mit herrlichem Blick auf den Bodensee über kleine Nebenstraßen auf 1200 Meter hoch ins Appenzeller Land gekurvt. Erste Pause bei Keksen und Mineralwasser aus dem Topcase, dabei die herrliche Landschaft genießen. Danach ein Druck auf den Anlasser der FJ und … den Bock wieder angeschoben. Wenigstens waren wir mitten in den Bergen und entweder ging es eh bergab, oder ich musste nur kurz wenden und dann rollen lassen. Am Säntis, nach unzähligen Kurven und passähnlichen Straßen, habe ich dann direkt passend geparkt.

Abends zurück am Hotel habe ich dann den ADAC bemüht, zuerst ohne viel Hoffnung, da ich in Punkto Motorradfahrerbetreuung bis jetzt noch nicht viel Gutes über den Verein gehört hatte. War aber nicht so. Ziemlich schnell kam der Herr Marco Baumbach dann vorbei und hat die Batterie und den Ladestrom der Lichtmaschine gemessen. Dann war klar, „nur“ die Batterie ist hin. Es war Freitagabend, kurz vor 18:00 Uhr. Der Herr Baumbach hat noch rumtelefoniert, wo den eine passende Batterie zu bekommen ist und wann. Er hat dann den Boschservice Henry Bauer in Lindau aufgetan, die eine vorrätig hatten und auch am Samstag schon ab 09:00 Uhr geöffnet hatten. Anschließend hat er mir noch die alte Batterie ausgebaut und wir haben ein Schwätzchen gehalten; er ist nämlich auch Biker und fährt ZZR600. Auf diesem Wege noch mal vielen Dank! Am nächsten Morgen und 110,47 € später hatte das Anschieben dann ein Ende.

Eine weitere ausgedehnte Tour führte uns in den Naturpark „Oberes Donautal“. Und dieses mal tatsächlich ohne technische oder meteorologische Katastrophen. Die Gegend war eher flach, aber ebenfalls sehr kurvenreich. Alleine waren wir da als Moppedfahrer auch nicht, aber trotz Wochenende war es nicht überfüllt. Für Pausen sehr zu empfehlen, das Nostalgie Cafe Pfefferle in Gutenstein. Treffpunkt für Biker und Kanuten mit nettem Ambiente und Horex – Oldtimern im Laden.

Eine große Tour die wir uns vorgenommen hatten, war die Hochtannenbergrunde um Sonthofen herum. Bei unserem ersten Versuch haben wir die aber wegen Dauerregen in dem Gebiet abgebrochen und sind rüber in die Schweiz nach Altenrhein. Dort wollten wir uns die von Friedensreich Hundertwasser entworfene Markthalle ansehen. Außerdem sollte das Wetter da auch besser sein. So war es dann auch und die Markthalle ist allemal einen Besuch wert. Zwischen dem Riedbergpass und Altenrhein lagen natürlich wieder unzählige Kurven und vor allem ein Passabfahrt, die es in sich hatte: in unserer Fahrtrichtung abwärts lag eine Baustelle mit dem Erfolg, dass ~ 3 Km Straße nur grober Schotter waren; und dass bei laut Schildern 18% Gefälle… Nicht nur vom Regen sind Marita und ich nass geworden. Zurück ging es dann über Romanshorn und mit der Fähre zurück nach Friedrichshafen. Nicht gerade preiswert, diese Abkürzung. Trotz freundlicher Unterstützung des Fährschaffners, der dann nach kurzer Überlegung nicht 2 Fahrzeuge, sondern nur einen PKW mit weniger als 6 Metern berechnete, mussten wir für 45 Minuten Fähre 24,00 € berappen.

Da wir schon mal in der Gegend waren wollten wir nach Füssen und in den Schwangau. Die Hinreise war auch bei gutem Wetter völlig problemlos. Zwischenstopp in Kempten – Mittagspause am Fuße von Neuschwanstein. Massen an Touris, trotzdem moderate Preise in den einschlägigen Lokalen. Auf der Rückfahrt dann, da es ja an diesem Tag nicht regnete, der schon überfällige technische Defekt an der FJ: hier kuppelt nichts mehr, das Sch….ding trennt nicht mehr und die Gänge gehen nur mit Gewalt rein. Anscheinend hat die FJ langsam Hydraulikflüssigkeit aus dem Kupplungshebelsystem verloren. Durch Schräglegen, so dass der Behälter der Hydraulikkupplung am höchsten liegt, kann ich noch was Luft aus dem System bekommen und wir können bis zur nächsten Tanke weiterfahren. Die ist in Grän, zusammen mit einer Hinterhofwerkstatt und Tante Emma Laden; ein Dorf von geschätzten 500 Einwohnern… Aber: dort gibt es tatsächlich DOT 4 Bremsflüssigkeit, zu zivilen Preisen (0,25 l = 2,45 €) und das abends gegen 18:00 Uhr!

Während wir noch da standen kam ein Paar auf einer Moto Guzzi 850 T3 angerollt. Die Armen hatten einen platten Hinterreifen. Aber man glaubt es kaum, auch hier konnte Tankstelle OMV von Maria Barbist mit Reifenpilot weiterhelfen. So können wir uns dann doch noch auf die 150 km nach Kressbronn zum Hotel machen. Das wäre im ersten und zweiten Gang ohne Kupplung bestimmt spaßig geworden.

An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, wie souverän Marita meine Frustration über die diversen Wehwehchen der FJ, welche dann doch manchmal ungefiltert aus mir hervorbrach, ertragen hat und mich wieder auf den Boden zurück geholt hat. Meine Traumfrau halt…

Neben kleineren Touren durch den Bregenzer Wald haben wir uns an einem motorradfreien Tag dann noch Ravensburg angeschaut. Ebenfalls eine sehr alte Stadt mit einer Vorliebe für Wehrtürme. Die Runde Hochtannberg sind wir dann doch noch am vorletzten Tag gefahren. Und man glaubt es kaum: strahlender Sonnenschein und keine einzige Panne. Öl hatte ich dabei zum Nachfüllen, Hydraulikkupplung morgens aufgefüllt und sorgsam drauf geachtet, die Batterie nicht zu überanspruchen. Pässe gefahren bis der Arzt kommt. Und nachmittags noch 2 Stunden auf 1.300 Metern ü.n.N im Haldensee schwimmen gewesen. Einfach ein genialer Tag.

Abends haben wir den dann noch bei unserem Haus und Hof – Italiener „Da Nico“ in Kressbronn abgerundet. Prompt war am nächsten Tag, Freitag, unser letzter Urlaubstag, dann ein dermaßenes Sauwetter, dass wegen Unwetter sogar alle Veranstaltungen rund um den Bodensee abgesagt wurden und Graz zum Katastrophengebiet erklärt wurde. Na gut, der Urlaub war eh zu Ende.

Samstags dann die Heimreise: immer wieder Regen mit Sichtweite bis unter 100 Metern, 2 größere Staus wegen Baustellen und einem wegen eines Unfalles mit Vollsperrung vor uns; die meiste Zeit davon wie gesagt im Regen. Nach 9,5 Stunden inkl. 3 Pausen, 630 km und 1 Liter Öl später waren wir dann wieder zurück in Bardenberg.

Fazit:

  1. Unbedingt noch mal hin um weitere Touren im Vorarlberg zu fahren.
  2. So weite Anreisen nur noch mit Moppeds auf dem Hänger (habe ich diese Light – Motorradfahrer auf der Rückfahrt vielleicht beneidet).
  3. Ich brauche einen „Gnadenhof“ für die FJ, wenn hier wahrscheinlich nächstes Frühjahr ein neues Mopped einzieht.

Sehr hilfreich bei der Planung der Touren im Vorarlberg war die Internetseite von Rudi Przybylski (hier klicken).

Eine kleine Bildergalerie unserer Tour gibt´s hier (klicken).

Tourbericht und Fotos: André

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