Mit den Eisheiligen auf dem Rennsteig

Plötzlich und unerwartet tat sich ein Zeitfenster auf, bei dem fünf Pfarrhofbiker doch noch eine sechstägige Motorradtour unternehmen konnten. Der Thüringer Wald war das Ziel. Genauer:  Bad Salzungen, südlich von Eisenach. Im Panorama Hotel hatten drei Fahrer bereits in 2009 schon einmal übernachtet und so bot es diesmal die Hauptunterkunft, von der aus verschiedenen Tagestouren angedacht waren.

Tag 1: und gleich am ersten Tag mit unterwegs: Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie – die Eisheiligen. Es war kalt und nass. Die Aussichten ließen vermuten, dass uns die vier während er gesamten Tour erhalten blieben.

Mithin hieß es im Pfarrhof vor dem Start: Regenklamotten überziehen.

Nicht unbedingt der Traumstart möchte man meinen, aber der Vorfreude auf eine schöne gemeinsame Zeit tat das keinen Abbruch.

Die Anreise vom tiefen Westen quer durch das Land an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze gestaltete sich insgesamt problemlos. Zwischendurch kam sogar das Sönnchen heraus und lud zum Eisbällchenkredenzen ein…

Das Hotel erreichten wir am Abend „just in time“; einchecken, noch frischer machen, Bierchen zischen und Schnitzelchen schnabulieren – herrrlisch!!!

Tag 2: ging es durch den Naturpark hessische Rhön, über Poppenhausen nach Fulda.

Das kleine Örtchen Poppenhausen ist berühmt für sein „Poppenhausener Saftsäckchen“ – sagte Peter. Das mit Dörrfleisch, Sauerkraut und Senf gefüllte Schnitzel war in der Tat vorzüglich. Rischtisch lecker! Allerdings entwickelte das Gericht einen eigenen Vortrieb, der die Biker zeitnah und nacheinander an unterschiedliche Örtchen kurz in Stille und mit versteinert verkrampfter Mine verharren lies…

Fulda – nicht weit entfernt – war das nächste Ziel. Der Weg dorthin führte über schöne Landstraßen, die ein entspanntes criusen erlaubte. Und mit Verdauung des Pfeffersäckchens einhergehend entspannnte Gesichtszüge unter den Helmen. (Danke Peter, für diese schöne Erfahrung.)
Ein kleiner Stadtrundgang führte zum Dom St. Salvator. Unser Pastörchen konnte uns dabei wieder einige geschichtliche Hintergründe zum Besten geben. Es handelt sich um die Grabeskirche des heiligen Bonifatius und ist seit 1752 Kathedralkirche des Bistums Fulda. Sie stellt den Mittelpunkt des Fuldaer Barockviertels dar und ist zugleich das Wahrzeichen der Stadt Fulda. Eindrucksvoll.

Obwohl, Barock in völliger Vollendung ist nicht jedermanns Sache…

In geographisch hohem Bogen, über die Städchen Schlitz (nett) und Rotenburg an der Fulda.

Auch ein nettes Städtchen, wie so viele Örtchen, durch die wir durchgefahren sind.

Hier haben wir uns wieder ein lecker Süppchen und Käffchen kredenzt (die körperliche Verfassung lies dies wieder zu), bevor es zurück nach Bad Salzungen ging.

Tag 3: Rennsteig Tour.

D´r Thüringer Wald rauf und runter, hin und her. Frisch war ett: 4 Grad Celsius auf 936 Meter. Aber schön. Und immerhin war wenig Staub in der Luft…

Tag 4: war endlich etwas sonniger, gleichwohl durchgehend ziemlich kühl auf´m Bock.

Die Gruppe teilte sich auf. Zwei Jungens erkundeten noch einmal das Thüringer Umland. Gerüchten zufolge führte sie ihre Route mehrmals an diesem Tag durch Möhra. Der Ort ist bekannt als Stammort der Familie Martin Luthers. Ob das eine besondere Motivation war, gleich 4 oder 5 mal dort durch zu fahren – man weiß ett nich.

Die anderen drei fuhren nach Buchenwald, zur dortigen Gedenkstätte. D´r Ralf berichtet darüber auf seinem Blog (hier klicken). Fotos dazu gibt es hier (klicken).

Die Gruppe fand sich zum gemeinsamen Abendmahl wieder im Hotel ein und tauschte die sehr unterschiedlichen Eindrücke des Tages aus. Übrigens erwies sich das naturtrübe Hausbierchen des Hotelrestaurants als besonders bekömmliches Tröpfchen. Gut, dass um 22.00 Uhr Zapfhahnstreich war…

Tag 5:  näää, ne?  Regen! Nebel!

Also, was tun? Erst mal Frühstücken. Gaaaaanz langsam Frühstücken. Das Buffet gibt ohnehin reichlich her. Und bei der ersten halbherzigen Regenpause fix rauf auf die Mopeds und über kleine Sträßchen auf nach Merkers, zum dortigen Erlebnisbergwerk. Gemeinsam mit 75 zumeist älteren Herrschaften nahmen die Biker an einer Führung unter Tage teil. Schließlich haben wir alle tiefschwarzes Bergmannsblut in uns.

Zunächst gab es feine blaue Jäckchen und weiße Helme. Sogar passend für André. Und dann ging es im Korb abwärts. Unten angekommen wurden die blauen Menschen auf offene gelbe Kleinlaster gepfercht. Bis auf André. Der wurde augegrenzt und mußte auf dem Beifahrersitz platz nehmen.

Höhepunkte der Reise bis auf 800 Meter Tiefe:

  • eine Ausstellung, die die Geschichte des Salzabbaus anschaulich darstellt,
  • der Goldraum, in dem einst die Gold- und Devisenbestände der Reichsbank und Kunstwerke von unschätzbarem Wertreserven gebunkert wurde sowie
  • die erst 1981 entdeckte Kristallgrotte mit Salzkristallen bis zu einem Meter Kantenlänge!

Und – last but not least – 28 Grad Celsius Raum- temperatur…

Die Führung von zwei alten – äh´, Verzeihung – erfahrenen Steigern war recht kurzweilig und mitunter leicht zotig. Steigermentalität? Egal, hat Spaß gemacht und ist unbedingt zu empfehlen!

Nach dem Aufstieg im engen Korb bei hitziger Atmosphäre ging es zurück auf die Erdoberfläche. Dort erwartete die harten Männer hübsch ausgewachsene Regenblasen auf dem Asphalt…  Was für ein Kontrastprogramm.

Tag 6: die Rückfahrt.

Vorher im Hotelchen ausgecheckt. Übrigens wieder bei dem netten Fräullein, das uns abends mit Engelsgeduld bedient und ertragen hat und uns auch 2009 schon eine gute Heimfahrt wünschte. Ihre Frage beim Abschied: „Kommen Sie nächstes Jahr wieder?“ wurde unverbindlich beantwortet. Wollen datt arme Mädschen ja nich verschrecken…

Also, raus aus´m Hotel – und rein in die Regenpelle. Aber egal: Navis auf Heimat, schnellste Strecke ohne Autobahn und geschmeidig quer durch Mitteldeutschland. Und so schlimm wurde es dann aber doch nicht, da es unterwegs immer mal wieder recht aufgelockerte Stellen gab.

Zwischendurch mal die Mopeds getankt und Pita in einer exquisiten Lokalität am Wegesrand gefuttert (einigen wurde es anschließend wieder watt kollisch…).

In Bad Münstereifel einen letzten gemeinsamen Kaffee geschlürft und Kuchen gefuttert. Den Rest der Strecke gen´ Heimat hammer noch mal watt Gummi gegeben. Und ab Eschweiler war das Wetter dann auch schon wieder wesentlich freundlicher – und trocken.

Fazit:

  • um die 2.000 Kilometer gerollt,
  • wieder viel Neues gesehen,
  • miteinander viel Spaß gehabt und
  • viel gelacht  !!!
  • Mehr Beweise durch Fotos der Tour gibt´s hier (klicken).

Wiederholung 2011 mit neuem Ziel ist schon mal angedacht. Vielleicht passt´s ja zeitlich bei den Bikern wieder irgendwie und irgendwann zusammen. Auf die Beifahrer/in Pankratius, Servatius, Bonifatius oder die kalte Sophie will man dann aber möglichst verzichten…

(Pauli sein Bericht / mit André und Pauli sein Fotos)

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