Auf Zum-t(h)or

An einem herrlich sonnigen Frühsommernachmittag wollten sich die Pfarrhofbiker an ihrem Stammsitz für ein gemütliches Feierabendtürchen treffen. Es sollte nach Mechernich gehen. Wieso denn Mechernich? Da ist doch nichts, außer Feldern und nicht allzu vielen Kurven…

Weit gefehlt! Ziel der Tour war ein Bauwerk des Herrn Zumthor. Klar, zum Tor fahren wir?!?!?!? Kennen wir ja ????  Häääää?  Wat für’n Tor is da?
Schon beim letzten Stammtisch klärte Reverend  die Ahnungslosen auf. Es handelt sich um die Bruder Klaus Kapelle in Mechernich-Wachendorf, erbaut vom Stararchitekten Peter Zumthor.

Aber der Reihe nach. Drei Biker fanden also die Muße, sich am sonnigen Nachmittag des 21. April 2011 für besagte Tour im Pfarrhof einzufinden: der Reverend (Rainer Gattys), der Alterspräsident (Bert von Högen) und ich, der Zivi (André Esser). Auf zwei R 1200 GS und einer CBF 1000 machten wir uns also auf den Weg.

Dieser Weg brachte erwartungsgemäß keine fahrerischen Highlights hervor, jedoch genossen wir drei ein herrlich entspanntes Dahingleiten in lauem Sommerlüftchen. Besonders imponierten die vielen Rapsfelder durch Farbe und Geruch. Der Beigeschmak, den Rapsfelder seit neuestem in Bezug auf E10-Kraftstoffe hervorrufen, soll hier einmal außen vor bleiben.

Nach gut einer Stunde entspanntem Cruisen führte uns Rainer auf den als zur Kapelle gehörig ausgeschilderten Parkplatz. Flugs die Moppeds abgestellt und… Watt?

http://commons.wikimedia.org/wiki/User:KateerDie Kapelle schimmerte in gleißender Sonne am Ende eines Feldes, das den ganzen Hügel vor uns bedeckte. Somit hatten wir Gelegenheit zu einem sehr schönen, ausgedehnten Spaziergang, ca. 2 km Hügel rauf bei gefühlten 30° C in Motorradkombi und –stiefeln. Rainer hatte wohl geahnt, dass Bert und ich den Walk nicht ohne größeren Flüssigkeitsverlust per Transporatio vollenden würden und daher für Mineralwasser für die Unvorbereiteten dabei.

Der von außen etwas deplaziert in der Eifellandschaft wirkende Bau überraschte im Inneren jedoch mit einer einzigartigen Atmosphäre. Die äußere Form eines unregelmäßig pentagonalen Betonklotzes entpuppt sich im Inneren als wohlgefällig gerundeter Andachtsraum in Form eines Tipis. Die Formen der Baumstämme, welche als Innengerüst dienen, sind nach dem Ausbrennen der ganzen Konstruktion weiterhin erhalten. Auch die für ein Tipi typische offene Spitze hat Architekt Zumthor nicht verschlossen, so dass die vier Elemente (Luft, Wasser in Form von Regen, das Feuer der Kerzen und die Erde des gestampften Bodens) sich im Andachtsraum vereinen.

Nach ausführlicher Besichtigung und Erläuterung des Baus durch Rainer machten wir uns dann auf den weit weniger mühsamen „Abstieg“ zu unseren Moppeds. Sowohl Hin- als auch Rückweg wurden natürlich für die obligatorischen Benzingespräche genutzt. Hierbei dominierten die Vorzüge und Nachteile (gibt es welche???) einer R 1200 GS, angeheizt durch zwei GS-Treibern und einem, der’s wohl bald werden will.

Auf dem Rückweg der langsam tiefer sinkenden Sonne entgegen, stoppten die drei von Durst getrieben noch in Simmerath-Strauch an der Biker-Ranch. Hier bot sich wie immer ein Bild der vollständigen Integration aller „ethnischen“ Gruppen der Biker-Szene: von den Bunt beklebt – Gebückten über den Weltenbummler, bis zum Wehrmachtshelmträger. Alle genossen den herrlichen Sommerabend und bestaunten die unterschiedlichsten Moppeds. Dazu war ja auch genug Zeit, da viel los war und man schon mal vom Eintreffen an der Ranch bis zur Lieferung der Durstlöscher ein gutes halbes Stündchen verging.

Der Rest des Rückweges lohnt der Beschreibung nicht, da ihn wohl jeder mit verbundenen Augen kennt.

Ride on!

Bericht: André

Foto: Klaus Th. Erdmann

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